logo2016

Reden ist das Wichtigste

Reden ist das Wichtigste

Foto: Anja Naumann
Neugierig und gespannt überquere ich an diesem Morgen den bis dahin menschenleeren kleinen Platz, der mich direkt zu Uwe Stöß Wohnung führt. Ein Mann, der ein Buch geschrieben hat. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Aber ich treffe in wenigen Minuten auf einen Menschen, der ganz unten war, in den tiefsten Abgründen des menschlichen Seins. Unbändige Wut und Hass beherrschten sein Leben mit all den folgenden Konsequenzen. Und so einer kämpft sich wieder nach oben und schreibt über dieses menschenunwürdige Dasein auch noch ein gelungenes Buch?



Erwartungsvoll drücke ich auf den Klingelknopf. Ich hoffe, auf einen authentischen Uwe Stöß zu treffen, der mir „unmaskiert“ und offen gegenüber tritt. Dann, viele Treppenstufen weiter oben …



Manchmal fehle ihm das alte Leben ein bisschen, beginnt er unser Gespräch. Ein Leben, von dem der 46-Jährige insgesamt zehn Jahre im Gefängnis verbrachte, weitere Jahre auf der Straße – im Alkoholrausch und auf der Flucht. Uwe Stöß erzählt, dass er weg wollte von dem was ihn verfolgte, aber das sei er ja selbst gewesen. Plötzlich ein nüchternes bürgerliches Leben zu führen und nicht mehr in den Alkohol zu flüchten, erfordert sicher viel Kraft, Willen und Disziplin. Als Kind habe er sogar geglaubt, dass irgendwann die gute Fee kommt und einfach ein Wunder geschehen lässt. Er floh damals in eine Fantasiewelt, wodurch die schwierige Kindheit erträglicher schien. [...]

Mit neuem Mut

Titelthema: Mit neuem Mut



2010 ist das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung

Foto: Andreas HallerObwohl Europa einer der wohlhabendsten Kontinente ist, bestehen dennoch soziale Ungleichheiten. Nicht weniger als 17 % der Europäer können laut der EU ihre grundlegendsten Bedürfnisse nicht erfüllen, da ihnen hierfür die Mittel fehlen. Armut und soziale Ausgrenzung sind in einem inakzeptablen Ausmaß vorhanden. Dem will die EU mit ihrer Jahreswidmung für 2010 entgegentreten. Das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ soll die Solidarität als Sicherheitsnetz für jeden einzelnen Menschen fördern, insbesondere in Krisenzeiten wie den gegenwärtigen.



Bereits im Jahr 2000 vereinbarten die europäischen Mitgliedstaaten im Rahmen der Lissabon-Strategie für mehr wirtschaftliche Produktivität und wissensbasierte Innovationsgeschwindigkeit das Ziel, die Beseitigung der Armut in Europa entscheidend voran zu treiben. Daran knüpft nun auch das Europäische Jahr 2010 an. Die Mitgliedstaaten sind dazu angehalten länderspezifische Umsetzungsstrategien gegen Armut und soziale Ausgrenzung zu entwickeln. Hierzulande stellen beispielsweise Arbeitslosigkeit und die ungleiche Chancenverteilung in der Bildung immer noch die größten Herausforderungen dar. Die so genannte Armutsrisikoquote lag laut dem letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung im Jahr 2005 bei 13 Prozent. Um dies zu ändern, formulierte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, dass das Europäische Jahr 2010 hierzulande koordiniert, folgende Ziele:



Zunächst soll das öffentliche Bewusstsein für die Thematik gestärkt und sensibilisiert werden. Vorurteile und Diskriminierungen sollen überwunden werden, indem vor allem durch Politik und Medien deutlich gemacht wird, dass es viele Ursachen und Auswirkungen von Armut gibt, die jedem Menschen widerfahren können. [...]

Rückblick - Ausblick

Titelthema: Rückblick - Ausblick

Foto: Harald Wanetschka/PIXELIOE
Ein aufreibendes Jahr war 2009 zweifelsohne. Viele Gegebenheiten wurden nicht nur auf die Probe, sondern auch in Frage gestellt. Vor allem Politik und Wirtschaft standen in den vergangenen Monaten vor großen Herausforderungen, die auch noch in Zukunft viel Geschick und Anstrengung verlangen. Die KiPPE-Redaktion hat für Sie ein paar, der aus unserer Sicht wichtigsten Ereignisse mit sozialer Tragweite hier zusammengetragen und wagt auch einen kleinen Blick in das neue Jahr.







Die Banken im Wanken



Wäre „Finanzkrise“ laut der Gesellschaft für deutsche Sprache nicht bereits das Wort des Jahres 2008, wäre es sicherlich auch das von 2009 geworden. So stark belastete auch dieses Jahr die Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise, die bereits 2007 mit der US-Immobilienkrise ihren Anfang nahm, die globale Wirtschaft. In Erinnerung wird dabei wohl vor allem die Pleite der deutschen Hypo Real Estate Bank bleiben, die von der Bundesregierung mit bis dahin kaum gekannten Summen aus dem Staatshaushalt gerettet werden konnte. Weltweit war dies allerdings nur eine von vielen Insolvenzen im Finanzsektor. Immer mehr waren darüber hinaus 2009 auch die Menschen in anderen Wirtschaftsbereichen von der Krise betroffen. Hierzulande sorgte z.B. die Pleite von General Motors, der Mutterfirma des traditionsreichen Auto-Herstellers Opel, sowie des KarstadtQuelle-Besitzers Arcandor für großes Aufsehen. [...]

Ein Ort der Musik

Ein Ort der Musik

Rundgang durch das Schumann-Haus in Leipzig

Foto: Burkhardt
Das Grafische Viertel östlich der Innenstadt in Leipzig entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur Hochburg des Verlagswesens, im Zweiten Weltkrieg wurde es nahezu zerstört. Wie durch ein Wunder blieb ein Gebäude in der Inselstraße, der damaligen Hauptachse des Viertels, erhalten: Das Haus, in dem der Komponist Robert Schumann und seine Frau, die Pianistin und Komponistin Clara von 1840 bis 1844 lebten und eine glückliche und musikalisch äußerst produktive Zeit verbrachten. Heute vereint es die Freie Grundschule Clara Schumann, eine gleichnamige Musikschule als auch Ausstellungsräume und einen Veranstaltungssaal, mit denen der Robert-und-Clara-Schumann-Verein Leipzig an die berühmten Bewohner erinnern möchte, unter seinem Dach.
Unser Rundgang durch die ehemalige Wohnung der Schumanns in der ersten Etage des Hauses beginnt im Arbeitszimmer des Komponisten, das erst am 12. September 2009 eröffnet wurde. Denn lange Zeit war die genaue Lage dieses Raumes, in dem Robert einige seiner berühmtesten Werke komponierte, nicht eindeutig feststellbar. Erst 2004 wurde der Grundriss der Schumann‘schen Wohnung zweifelsfrei identifiziert. [...]

Serie: Leipzigs historische Gebäude

Serie: Leipzigs historische Gebäude

Teil 4: Die Moritzbastei

Bild: Moritzbastei
Für die Stadtverteidigung angelegt und als Studentenclub zu Berühmtheit gelangt, kündet die Moritzbastei von der wechselvollen Geschichte Leipzigs. Da sich die Stadt in früheren Zeiten der ständigen Bedrohung von Angriffen feindlicher Heere gegenüber sah und die alte Befestigung durch die Kampfhandlungen des Schmalkaldischen Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, veranlasste der sächsische Kurfürst Moritz den Bau neuer Wehranlagen. Unter Leitung des Kaufmanns und Bürgermeisters Hieronymus Lotter entstand so in den Jahren 1551 bis 1554 auch die Moritzbastei als eine von vier Eckbastionen. Im Dreißigjährigen Krieg erstmals von schwedischen Truppen erstürmt, verlor sie bereits im Siebenjährigen Krieg in der Mitte des 18. Jahrhunderts ihre militärische Bedeutung und wurde daraufhin als Lager- und Werkstätte von diversen Händlern und Handwerkern wie Glockengießern, Schwefelziehern oder Buchdruckern genutzt. In dieser Zeit wurden auch die Befestigungsanlagen stetig zurückgebaut, die Wassergräben verfüllt und zu Parks umgestaltet, sodass die Moritzbastei neben der damals noch existierenden Pleißenburg bald als einziges Zeugnis der einstigen Wehranlagen bestehen blieb. [...]