Reden ist das Wichtigste

Neugierig und gespannt überquere ich an diesem Morgen den bis dahin menschenleeren kleinen Platz, der mich direkt zu Uwe Stöß Wohnung führt. Ein Mann, der ein Buch geschrieben hat. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Aber ich treffe in wenigen Minuten auf einen Menschen, der ganz unten war, in den tiefsten Abgründen des menschlichen Seins. Unbändige Wut und Hass beherrschten sein Leben mit all den folgenden Konsequenzen. Und so einer kämpft sich wieder nach oben und schreibt über dieses menschenunwürdige Dasein auch noch ein gelungenes Buch?
Erwartungsvoll drücke ich auf den Klingelknopf. Ich hoffe, auf einen authentischen Uwe Stöß zu treffen, der mir „unmaskiert“ und offen gegenüber tritt. Dann, viele Treppenstufen weiter oben …
Manchmal fehle ihm das alte Leben ein bisschen, beginnt er unser Gespräch. Ein Leben, von dem der 46-Jährige insgesamt zehn Jahre im Gefängnis verbrachte, weitere Jahre auf der Straße – im Alkoholrausch und auf der Flucht. Uwe Stöß erzählt, dass er weg wollte von dem was ihn verfolgte, aber das sei er ja selbst gewesen. Plötzlich ein nüchternes bürgerliches Leben zu führen und nicht mehr in den Alkohol zu flüchten, erfordert sicher viel Kraft, Willen und Disziplin. Als Kind habe er sogar geglaubt, dass irgendwann die gute Fee kommt und einfach ein Wunder geschehen lässt. Er floh damals in eine Fantasiewelt, wodurch die schwierige Kindheit erträglicher schien. [...]

Obwohl Europa einer der wohlhabendsten Kontinente ist, bestehen dennoch soziale Ungleichheiten. Nicht weniger als 17 % der Europäer können laut der EU ihre grundlegendsten Bedürfnisse nicht erfüllen, da ihnen hierfür die Mittel fehlen. Armut und soziale Ausgrenzung sind in einem inakzeptablen Ausmaß vorhanden. Dem will die EU mit ihrer Jahreswidmung für 2010 entgegentreten. Das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ soll die Solidarität als Sicherheitsnetz für jeden einzelnen Menschen fördern, insbesondere in Krisenzeiten wie den gegenwärtigen.
