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Dreikampf in der Fußball-Oberliga

Dreikampf in der Fußball-Oberliga

Markranstädter „Stadion am Bad“
David gegen Goliath: Die jüngst eröffnete Fußball-Oberliga-Saison verspricht soviel Spannung wie seit langem nicht mehr. Das liegt nicht nur am erneuten Aufeinandertreffen von FC Sachsen und 1. FC Lokomotive, den beiden größten Clubs der Stadt, am Hoffen und Bangen zwischen Probstheida und Leutzsch, man möge doch mindestens vor dem jeweiligen Stadtrivalen die Saison beenden. Nein, der Regionalfußball umfasst in den kommenden Monaten noch viel mehr. Er steht für den Kampf der ewig klammen Traditionsclubs gegen eine neue dritte Fußball-Kraft in der Stadt, die scheinbar über kaum erschöpfbare Finanzreserven, Know-How und großen Anspruch verfügt. Dem neu gegründeten RB Leipzig wird auch nicht selten zugetraut, die Stadt endlich aus den Niederungen der Fußball-Unterklassigkeit befreien zu können.
Es ist 15 Jahren her, dass Leipzig auf der großen Fußballbühne zumindest ein Achtungszeichen setzen konnte. 1994 stieg der VfB Leipzig nach kurzem Intermezzo aus der Bundesliga ab. Mehrere Vereins-Insolvenzen  und immer wieder auftauchende große Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit haben dabei die einstmals glorreichen DDR-Meisterschaften der BSG Chemie (heute FC Sachsen) und legendären Europapokal-Triumphe des 1. FC Lokomotive fast vergessen lassen. [...]

„Dem fremden fällt es leicht...“

„Dem fremden fällt es leicht, die stadt zu rühmen“

Der Lyriker und Grafiker Andreas Reimann hat einen Gedichtband über Leipzig verfasst.


Ein „launiger Grantler, ein Original in Lyrik und Leben“ sei Andreas Reimann,  schrieb Clemens Meyer in der FAZ. Das Urteil findet sich abgedruckt auf dem Buchrücken von „Bewohnbare Stadt“, des kürzlich erschienenen Lyrikbändchens von Reimann. In den ersten Minuten unseres Gesprächs mochte der Autor diesem Eindruck zustimmen. Da wird er von Reimann gemaßregelt, warum er dessen Familienge-schichte nicht kenne, um die doch in Leipzig jeder wisse. Nur um dann zu erfahren, dass die oft fallende Bezeichnung „Künstlerfamilie“ gar nicht der Wahrheit entspräche. Denn seinen Großvater Hans, der unter anderem die „Feuerzangenbowle“ schrieb, hat er nie kennen gelernt. Und auch der Vater Peter, der als Pressezeichner und Kabarettautor wirkte, entschwand früh aus Andreas Reimanns Leben. Vielleicht aber sei doch etwas von den künstlerischen Genen der Vorfahren bei ihm vorhanden, spekuliert Reimann dann. Wie sonst hätte er so früh mit dem Schreiben anfangen können und bereits im Alter von zehn Jahren erste Gedichte publiziert? Will man dem Lyriker und Grafiker nun diesen Hokuspokus um die Macht des Erbgutes abnehmen oder legt er falsche Fährten, weil er seine biografischen Details schon zu oft aufzählen musste? [...]

Glasnost auch in der Psychiatrie

Glasnost auch in der Psychiatrie

Psychiatrie in Leipzig zwischen 1989 und 1993

Foto: Archiv Sächsisches Psychiatriemuseum
Leipzig hat in der deutschen Psychiatriegeschichte einen klang- vollen Namen. 1811 wurde an der hiesigen Universität der erste Lehrstuhl für Psychiatrie eingerichtet und mit Johann Christian August Heinroth besetzt. Bedeutende Psychiater, u.a. Emil Krae- pelin, Paul Flechsig und Paul Julius Möbius haben in der Stadt gewirkt. Und auch prominente Psychiatriepatienten wie Robert Schumann, Friedrich Nietzsche und Lene Voigt verbrachten wich- tige Etappen ihres Lebens in Leipzig. Die Tötung eines behin- derten Kindes an der Universitätskinderklinik gilt als Beginn des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms, in dessen Rah- men auch über tausend psychisch kranke und behinderte Leipzi- ger Bürger ermordet wurden.



In der DDR entwickelte sich Leipzig zu einem Zentrum der Sozial- psychiatrie, das auch über die Grenzen hinaus anerkannt war. Doch neben der modernen gemeindenahen psychiatrischen Ver- sorgung herrschte auf vielen Stationen im Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie Leipzig-Dösen eine düstere Verwahrpsychiatrie. Als mit der „Wende“ bzw. „Friedlichen Revolution“ alle gesellschaftlichen Bereiche und Institutionen auf den Prüfstand kamen, engagierten sich auch Psychiatriebetroffene  und Mitarbeiter in der Bürgerbe- wegung und traten für eine Demokratisierung und Reform der Psychiatrie ein. […]

Da ist Bewegung drin

Titelthema: Da ist Bewegung drin

Foto: Linda Dahrmann/PIXELIOSchon Friedrich Schiller beschrieb den Menschen als „homo ludens“, als spielendes Wesen. Der Mensch sei „nur da ganz Mensch, wo er spielt. “ Das Spiel als Aktivität nach selbst gewählten Regeln, das ganz um seiner Selbst willen geschieht, setzt Kreativität und Energie frei. Dass dies genauso auf den sportlichen Wettkampf zutrifft, liegt auf der Hand. In der Form des Breitensports nimmt er eine wichtige Rolle ein, dient der körperlichen Bewegung wie der Freude und ist eine verbreitete Freizeitgestaltung.



Sport in Leipzig? – Das ist ein wirklich weites Feld. Allein über die Geschichte des Leipziger Fußballs sind bereits Bände gefüllt worden. Dass der Deutsche Fußball-Bund im Januar 1900 im damaligen  Restaurant Mariengarten“ (Büttnerstraße 10) gegründet wurde, werden viele wissen. Überhaupt wird man in der Stadt an jeder Ecke mit dem Thema konfrontiert. Denkt man an die Verbindung von Sport mit Leipzig, fällt einem zunächst Olympia 2012 ein, für das sich Leipzig ja zunächst erfolgreich bewarb und gegen andere deutsche Städte durchsetzte – schließlich aber international an London scheiterte. Es wäre sicherlich ein Spektakel gewesen, der sportliche Wettkampf unter den fünf Ringen an der Pleiße. Aber es gab auch genug Bedenken gegen die rapiden sozialen wie kulturellen Verän- derungen der Stadt durch den Bauboom und die damit verbundenen Eingriffe in gewachsene Strukturen. So ist es vielleicht ganz gut, dass dieser Kelch an den Leipzigern vorbeiging. [...]

Wildes Leipzig

Titelthema: Wildes Leipzig

Foto: Anja NaumannWildes Leipzig? Zugegeben, der Titel klingt etwas mehrdeutig. Wir beziehen uns auf das wilde Leipzig im engeren Sinne und befassen uns mit den tierischen Aspekten der Stadt.



Dass Leipzig in Form der Flussaue mit einer besonderen Naturland-schaft gesegnet ist, wurde schon in der letzten Ausgabe der KiPPE deutlich. Es liegt auf der Hand, dass sich hier allerlei Getier tümmelt, nämlich Tiere in der Stadt und im Umland wie Waschbär, Marderhund oder Mink (siehe Reportage über den Wildpark). Auch der Fuchs wurde schon häufig im Stadtzentrum gesichtet. Die vielen Brachen, stillge-legten Industrieanlagen und die Nähe zu Wald und Park bieten ihm ideale Rückzugsmöglichkeiten und Unterschlupfe. Aber keine Angst vorm „Polizisten des Waldes“: Der Raum Leipzig ist seit 1991 tollwutfrei.



Zu so genannten „Problemwildarten“ zählt der Steinmarder. Der ist nicht bei allen Autofahrern beliebt. Das ansonsten harmlose wie possierlich anzuschauende Tier erprobt seine Zähne bisweilen an Fahrzeugka- beln. Vereinzelt haben Wildschweine im Westen der Stadt einige Haus- gärten verwüstet. Sauerei! Derzeit gibt es in Leipzig 17 Jagdreviere, die 30 Prozent der Stadtfläche ausmachen. Hier sind 65 Jäger tätig, deren Fokus besonders auf dem Rehwild und den Füchsen liegt. Allerdings beträgt der Anteil des getöteten Wilds durch Unfälle zwischen 30 und 40 Prozent. Im Wolfswinkel, einem Waldstück kurz vor Markkleeberg, erinnert ein Denkmal daran, dass hier im Jahr 1720 der letzte Wolf gesichtet worden ist. In den zahlreichen Leipziger Gewässern tummeln sich unzählige Fischarten: Blei und Günster, Aal und Hecht, Karpfen und Weißfisch.
Doch nicht nur der Auenwald und die vielen Parks bieten den Tieren Lebensraum. So leben manigfaltige Haus- tiere in den städtischen Haushalten, über deren Zahl nur spekuliert werden kann. Fast 50 Hundewiesen, auf Amts- deutsch „ausgeschilderte Freilaufstandorte“, befinden sich im Stadtgebiet. In den Leipziger Tierheimen (www.tierheim-leipzig.de) werden Hunde und Katzen, Kleinsäuger, Vögel sowie Exoten vermittelt – und selbst- verständlich nur in verantwortungsvolle Hände abgegeben.



Und natürlich gibt es vielfältige Möglichkeiten in Leipzig, sich mit Tieren zu beschäftigen, sei es in der Beobachtung oder mittels aufbereitetem Material. Drei davon möchten wir Ihnen hier vorstellen. Der Zoo Leipzig und seine In- sassen sind dank der erfolgreichen Doku „Elefant, Tiger & Co.“ mittlerweile in ganz Deutschland bekannt. Daher stehen bei uns nicht Lama Horst und seine Freunde im Zentrum, sondern wir widmen uns der historischen Ent- wicklung des Zoos. Das Leipziger Naturkundemuseum, das anschaulich unser Verhältnis zur Umwelt vermittelt, wollen wir Ihnen ebenso ans Herz legen. Und dann ist da natürlich der Wildpark, der Groß und Klein immer wieder neu zum Lustwandeln einlädt. [...]