logo2016

Mystische Einsichten

Mystische Einsichten

alt Das Lob der Gelassenheit







Bedeutende MystikerInnen des Spätmittelalters wirkten auch im mitteldeutschen Raum. Das ist nicht nur historisch interessant, man kann auch von ihnen lernen. Vor allem eines: Gelassenheit.



Den Begriff Mystik verbinden wir heute mit geheimnisvoll, dunkel, okkult. Ursprünglich meinte das altgriechische Wort „auf die Mysterien bezogen“, betraf also die Initiationsfeiern in Athen. Philosophisch bedeutsam wurde es dann hinsichtlich eines tieferen Sinns von etwas, zum Beispiel der Welt. Mystische Lehren lassen sich in allen Kulturkreisen auch außerhalb der Religionen finden – sie brauchen keine Dogmen. Auf verschiedenen Wegen zielen sie darauf ab, das endliche, in die Welt eingebundene Leben mit dem Unendlichen eins werden zu lassen, menschliche Seele und Absolutes zu verbinden.



Für die christlichen Mystiker des Mittelalters bedeutete dies unmittelbar mit Gott eins zu sein. Von einer solchen innigen Begegnung berichtet Mechthild von Magdeburg. Um 1208 in der Umgebung Magdeburgs geboren, ist sie seit ihrem zwölften Lebensjahr von mystischen Erlebnissen ereilt worden. Sie entsagte ihrem bisherigen Leben, ging mit Anfang Zwanzig nach Magdeburg und schloss sich den Beginen an, einer Laienbewegung von Frauen. Bemerkenswert war, dass mit der Autodidaktin eine Frau theologische Schriften verfasste, was zunächst noch geduldet wurde. Ihre Erfahrungen der Einheit mit Christus beschrieb sie als eine Art Hochzeit, bei der sie den Heiland als Bräutigam in ihrer Seele aufnahm. Schließlich aber folgte sie dem Druck der Geistlichkeit und ging ins Kloster Helfta, wo sie um 1282 verstarb. Dieses bei Eisleben gelegene Zisterzienserinnenkloster war ein Zentrum der spätmittelalterlichen spirituellen Literatur. [...]

Weltfremde Künstler?

Weltfremde Künstler?

Foto: Anja Naumann Die Sassimowitsch Fehlin’s Saturn Band







In unserer Sommerausgabe 2008 stellten wir Ihnen die Sassimowitsch Fehlin’s Saturn Band vor. Sie spielen mit Vorliebe Ostrock, aber auch internationale Hits. Damit unterscheiden sie sich nicht von vielen anderen Bands. Doch wenn man sie hört und sieht, den Hintergrund ihres Anliegens kennt, weiß man spätestens: Die Sassimowitsch Fehlin’s Saturn Band ist speziell – etwas ganz Besonderes. Denn es handelt sich um Musik von psychisch Kranken für psychisch Kranke.In den vergangenen Monaten hat sich bei den Musikern einiges verändert …



Jens Müller ruft in unserer Redaktion an und bittet um eine Fortsetzung des ersten Artikels. Er berichtet, dass sich u. a. aufgrund des KiPPE-Beitrages im letzten Jahr ein Gitarrist bei ihnen vorstellte. Seine Freude darüber bringt er zum Ausdruck: „Er ist wirklich das Beste, was uns passieren konnte“.



Grund genug für ein erneutes Treffen im Sozialcafé Blickwechsel, der Ort, an dem die Band probt. Auch diesmal werde ich von Jens Müller und Matthias Stadler herzlich empfangen. Sie führen mich durch das Café in einen der Räume, die ihnen zum Proben zur Verfügung stehen. Der „Bandzuwachs“ lässt nicht lange auf sich warten – Stefan Kober, 24 Jahre. Aufregung und Freude ist den drei Musikern anzumerken. Das ist umso verständlicher, wenn man bedenkt, dass ihr Fortbestehen als Band im letzten Jahr „auf der Kippe stand“. Jens Müller betont nochmal: „Ohne einen neuen Gitarristen hätten wir sicher aufgehört“. Was sehr schade wäre, denn mit einer Kostprobe ihres Könnens überzeugen sie mich auch diesmal von ihrem musikalischen Talent. [...]

Mud Mahaka

Mud Mahaka

Foto: Emanuel Mathias Ungewohnte Klänge aus Leipzig







Aufstrebende Leipziger Bands gibt es einige, aber keine ist wie Mud Mahaka. Eine Gruppe von sechs Musikern, die ihren eigenen Stil als „Tunes for amplified instruments“ bezeichnen. Am 15. Februar sind sie zusammen mit „Said the shark“ aus Dänemark in der naTo live zu erleben, doch vorab gewährt uns Sänger und Keyboarder Arpen einen kleinen Einblick.



Der Name Mud Mahaka lädt sicherlich zu Spekulationen ein, doch was bedeutet er tatsächlich und wie kam es dazu, dass Ihr diesen für Eure Band gewählt habt?
Wir probten schon eine Weile und das Projekt hatte einfach noch keinen Namen. Mud Mahaka war eine der Möglichkeiten. Ich hatte ein paar aufgeschrieben und konnte am nächsten Morgen meine Schrift nicht mehr lesen und da stand: Mud Mahaka. Keine Ahnung mehr, was das wirklich hieß. Alle fanden's gut.



Ihr spielt bereits mehrere Jahre zusammen und verfügt über unterschiedliche musikalische Erfahrungen. Wie seit Ihr aneinander geraten?
Dario (der Schlagzeuger) und ich haben 2006 angefangen. Ich kannte ihn von einer Freundin und wusste, dass er sowas wie ein Hip-Hop Drummer war. Dann kam Jacob Müller (am Bass) dazu, dessen Nummer ich hatte. Daniel Beilschmidt (an den Keyboards), ein sehr guter Freund von mir, ist ein ausgesprochen guter klassischer Organist. Der war nach der ersten Probe dabei, als klar wurde, dass wir zwei Keyboards brauchen. […]


ArMut

Titelthema: ArMut

Foto: Anja NaumannArmut, heißt es wohl, ist keine Schande, aber es heißt nur so,
denn sie ist den Besitzenden höchst unheimlich,
ein Makel halb, und halb ein unbestimmter Vorwurf,
im ganzen also sehr widerwärtig
und zu unangenehmen Weiterungen mag es führen,
sich mit ihr einzulassen.

Thomas Mann



Denkt man an Armut, hat man ausgemergelte Menschen in der so genannten „Dritten Welt“ vor Augen. Doch auch hierzulande leben Arme und ihre Zahl steigt. Diesen geht es zwar besser als jenen, denen es an allen grundlegenden Mitteln fehlt, sie sind aber ausgeschlossen von der Lebensweise, die in Deutschland als minimaler Standard angesehen werden kann. Den in relativer Armut lebenden Menschen mangelt es im Vergleich zu anderen z. B. an Sicherheit, Sättigung, Ansehen und der Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen, an Kunst und Kultur. Über die finanzielle Knappheit hinaus gibt es also andere Aspekte von Armut. Ihr Spektrum reicht von Lebenssituationen, in denen ein Überleben der Betroffenen ohne fremde Hilfe nicht möglich wäre, bis zu Lagen, in welchen das Existenzminimum zwar erreicht wird, aber ständig bedroht ist. Sie betrifft neben (Nicht-)Arbeit auch die Wohnsituation, Gesundheit und Bildung. Menschen in Armut leben oft in physisch schlechterer Verfassung als die besser oder überhaupt Verdienenden. Hinzu kommen psychische Aspekte wie Existenzangst und die permanente Sorge, die nächsten Tage etwas zu essen zu haben oder die Kinder nicht zu vernachlässigen. Diese werden durch den Druck von Behörden und empfundene gesellschaftliche Ausgrenzung verstärkt. [...]

Was wird im Alter?

Titelthema: Was wird im Alter?

Foto: Günter Havlena/PIXELIODie Gesellschaft kümmert sich um den Einzelnen nur in dem Maße, in dem er ihr etwas einbringt. Die Jungen wissen das. Ihre Angst in dem Augenblick, da sie in das soziale Leben eintreten, entspricht genau der Angst der Alten in dem Augenblick, da sie aus dem sozialen Leben ausgeschlossen werden. In der Zwischenzeit werden die Probleme durch die Routine verdeckt.       Simone de Beauvoir: Das Alter



Der Brief kam überraschend, noch verblüffender aber war sein Inhalt. Rund 43,- € werde ich (31) nach meinem jetzigen Einzahlungsstand im Alter bekommen, teilte mir die Rentenin-formation jüngst mit. Na, das sind ja rosige Aussichten. Von Ruhegenuss, wie die Rente in Österreich heißt, kann da keine Rede sein. Wie soll man sich so auf einen zweiten Frühling am Lebensabend freuen? Kann man überhaupt fröhlich auf das kommende Alter blicken? Und ab wann ist man überhaupt alt? Alter wie Jugend sind keine festen Größen. Was heutzutage als „alt“ (60+) und „hoch betagt“ (80+) gilt, sind Lebensalter, die in früheren Gesellschaften nur in Ausnahmefällen vorkamen – Methusalem lässt grüßen. Alter ist in diesem Sinne also sehr jung. Es stellt ein falsches Verständnis von Alter dar, wenn man dies mit Krankheit gleich-setzt. Natürlich können mit dem Prozess des Alterns verschiedene Gebrechen und Ein-schränkungen verbunden sein. Diesen gilt es medizinisch und durch Vorbeuge zu begegnen. Mit dem Alter an sich sind diese aber nicht automatisch verbunden. […]