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Ateliergespräche (Teil 18): Die Freiheit im Schönen finden

Mitten im Westwerk, hinter Konsum und Imbissen, befindet sich das Quartier 5. Dort teilt sich Elisabeth Wolf mit vier weiteren Künstler*innen einen frisch renovierten Atelierraum. Die Autodidaktin hat den Zeichenstift nie wirklich aus der Hand gelegt – auch wenn die Vernunft sie zunächst in eine ganz andere Richtung lenkte. Heute ist sie eine feste Größe in der freien Kunstszene der Stadt, unterrichtet junge Kreative und schafft Werke, die zwischen präzisem Realismus und tiefer Symbolik changieren. Ein Gespräch über das Festhalten an Träumen, die Kraft der Weiblichkeit und die Schönheit in einer komplizierten Welt.

Interview: Heiner Uebbing & Fotos: Enrico Meyer

KiPPE: Wenn man deinen Weg betrachtet, fällt sofort der Wechsel vom Bauingenieurwesen zur Kunst ins Auge. Wie kam es zu diesem Lebenswandel?

Elisabeth Wolf: Eigentlich habe ich schon immer gezeichnet, wie viele Kinder, aber ich habe es einfach nie aufgegeben. Selbst in meiner Jugend habe ich mich hingesetzt und Dinge ausprobiert; die Kunst war also schon immer da. Dass
ich dann Bauingenieurwesen studiert habe, war rückblickend eine reine Vernunftentscheidung. Nach dem Abi wusste ich ehrlich gesagt nicht genau, wohin mit mir, und ich fühlte mich nicht gut darauf vorbereitet, was danach kommt. Ich habe mich dann für Dinge beworben, von denen ich mal gehört hatte, oder die Bekannte machten und Bauingenieurwesen war ohne Zulassungsbeschränkung. Es war keine Wahl aus Leidenschaft, sondern eher den Umständen geschuldet.

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Comeback des "Leipziger Modells": Verkehrswende im Rückwärtsgang?

Über Jahre unterstützte eine Mehrheit aus Linken, Grünen und Sozialdemokraten in der Ratsversammlung die Umgestaltung des Verkehrs in der Messestadt. Die Kommunalwahlen 2024 haben die Verhältnisse nun geändert. Der neue Ton im Parlament zeigt sich vor allem auch bei der Rückkehr des Autos auf die Agenda.

Text: Matthias Puppe & Foto: Diana Richter 

Politische Entscheidungen wurden im Leipziger Stadtrat nach den ersten freien Kommunalwahlen 1990 im sogenannten „Leipziger Modell“ getroffen. Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) rief damals in der mit 128 Abgeordneten noch deutlich größeren Ratsversammlung zu sachorientierter Zusammenarbeit aller demokratischen Parteien auf. So sollten wechselnde Mehrheiten die Zukunft bestimmen. Anders ging es kurz nach dem Fall der Mauer ohnehin nicht, denn keines der politischen Lager verfügte 1990 über ausreichend Stimmen für offene Koalitionen – auch weil eine Zusammenarbeit mit der kurz zuvor aus der SED entstandenen PDS noch undenkbar schien. [...]

Ein Leben im Chaos...

… und dieses nicht nur in der eigenen Wohnung. Es spielt sich vor allem im Kopf ab. Die Wohnung macht es nur sichtbar. Das ist ein schweres Los für die Betroffenen mit dem Messie-Syndrom. Das Wort „Messie“ stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Chaos, Unordnung, Durcheinander. Es gilt als anerkanntes, psychiatrisches Krankheitsbild. Das hilft, sich nach außen öffnen zu können und ermöglicht, schneller Hilfe zu erhalten sowie diese anzunehmen.

Text & Fotos: Maria Notbohm 

Um direkt zu erfahren, wie Betroffene mit dieser Diagnose umgehen, den Alltag gestalten, besuchte ich das „Messie-Frühstück“. Organisiert wird dieses von der Diakonie Leipzig. Getroffen wird sich im Café des Psychosozialen Gemeindezentrums „Blickwechsel“. Dort komme ich in eine Runde, die zu vielen Anlässen hätte stattfinden können. Überwiegend Frauen, adrettes Äußeres, plaudernd, lachend. Es gibt viel zu erzählen, wenn man sich nur einmal im
Monat trifft. Die Männer halten sich zurück und lassen es sich bereits schmecken. Nach kurzer Zeit kommt Mirjam Heeger, ausgebildete Diplom-Erziehungswissenschaftlerin, hinzu. Geschickt moderiert sie. So werden Probleme gezielt aufgegriffen und jeder kommt zu Wort. Manchmal ist das etwas anstrengend, denn nicht alle können sich gleich öffnen. Andere hören nicht auf, von dem in letzter Zeit Erlebten zu berichten. Die Möglichkeiten, sich auf unkompliziertem Weg zu äußern, sind gering. Es bleibt vieles im anonymen Bereich. Angst vor Abwertung der Persönlichkeit und Schamgefühl überwiegen. Ebenso die Unwissenheit des Umfeldes, von diesem nicht verstanden zu werden, tragen dazu bei.

Einblicke in die Küche der Leipziger Oase

Die Leipziger Oase ist seit 30 Jahren eine unverzichtbare Anlaufstelle für Wohnungslose. Das Projekt versteht sich als ökumenische Kontaktstelle und ist weit mehr als nur eine Essensausgabe: Es ist ein zentraler Dreh- und Angelpunkt für Wohnungslose in Leipzig, der grundlegende Versorgung, sozialen Halt und Unterstützung bietet, besonders in den harten Wintermonaten und rund um die Weihnachtsfeiertage.

Text: Heiner Uebbing & Foto: Diana Richter 

Die Oase, die im Auftrag der Stadt Leipzig auch als Witterungsschutz fungiert, wird täglich von etwa 100 Menschen frequentiert, Tendenz steigend. Auch weil sie der einzige Tagestreff mit Küche in Nähe des Stadtzentrums ist. Die Organisation verzeichnete in den letzten sieben Jahren eine Vervierfachung der gemeldeten Personen, die ihre Postadresse nutzen – von 300 auf über 1100 Einzelpersonen.

Das Herzstück der Oase bildet die Küche. Und dort konnte ich auch Chefkoch Sebastian Händler und Leiter Benjamin Müller zum Gespräch antreffen. Tag für Tag wird hier ein frischgekochtes, kreativ zusammengestelltes Gericht auf den Tisch gebracht. [...]

ASB-Wünschewagen: Letzte Wünsche auf Reisen

Der ASB-Wünschewagen Sachsen erfüllt seit 2016 schwerkranken Menschen letzte Herzenswünsche – eine Fahrt ans Meer, ins Stadion oder einfach noch einmal in den eigenen Garten zum Kuchenessen. Die Koordinator*innen Lea Sellnau und Tom Höhne erzählen, was hinter diesem besonderen Ehrenamtsprojekt steckt und warum jede Fahrt mehr ist als nur ein Ausflug.

Text: Antje Griegmann & Sandy Feldbacher Fotos: Enrico Meyer 

Die KiPPE: Was ist Aufgabe des ASB-Wünschewagens Sachsen?
Lea Sellnau: Für Angehörige oder Freunde von schwerkranken Menschen, die nicht mehr viel Lebenszeit haben, ist es in dieser Phase oft nicht so einfach möglich, Herzenswünsche zu erfüllen. Deshalb helfen wir dabei, diese Wirklichkeit werden zu lassen. Die Fahrt mit dem ASB-Wünschewagen ist für Fahrgäste und Angehörige kostenfrei. Ehrenamtliche, professionell geschulte Helferinnen und Helfer begleiten sie. In diesem Jahr wollen wir 66 Wunschfahrten schaffen. Es ist unser großes Ziel, immer ein bisschen besser zu werden. Der Wünschewagen selbst ist ein Spezialeinsatzfahrzeug, das extra für diese Einsätze angefertigt wurde. Wir freuen uns auch, dass wir seit kurzem ein neues Fahrzeug haben. [...]