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Ateliergespräche (Teil 18): Die Freiheit im Schönen finden

Mitten im Westwerk, hinter Konsum und Imbissen, befindet sich das Quartier 5. Dort teilt sich Elisabeth Wolf mit vier weiteren Künstler*innen einen frisch renovierten Atelierraum. Die Autodidaktin hat den Zeichenstift nie wirklich aus der Hand gelegt – auch wenn die Vernunft sie zunächst in eine ganz andere Richtung lenkte. Heute ist sie eine feste Größe in der freien Kunstszene der Stadt, unterrichtet junge Kreative und schafft Werke, die zwischen präzisem Realismus und tiefer Symbolik changieren. Ein Gespräch über das Festhalten an Träumen, die Kraft der Weiblichkeit und die Schönheit in einer komplizierten Welt.

Interview: Heiner Uebbing & Fotos: Enrico Meyer

KiPPE: Wenn man deinen Weg betrachtet, fällt sofort der Wechsel vom Bauingenieurwesen zur Kunst ins Auge. Wie kam es zu diesem Lebenswandel?

Elisabeth Wolf: Eigentlich habe ich schon immer gezeichnet, wie viele Kinder, aber ich habe es einfach nie aufgegeben. Selbst in meiner Jugend habe ich mich hingesetzt und Dinge ausprobiert; die Kunst war also schon immer da. Dass
ich dann Bauingenieurwesen studiert habe, war rückblickend eine reine Vernunftentscheidung. Nach dem Abi wusste ich ehrlich gesagt nicht genau, wohin mit mir, und ich fühlte mich nicht gut darauf vorbereitet, was danach kommt. Ich habe mich dann für Dinge beworben, von denen ich mal gehört hatte, oder die Bekannte machten und Bauingenieurwesen war ohne Zulassungsbeschränkung. Es war keine Wahl aus Leidenschaft, sondern eher den Umständen geschuldet.

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