logo2016

Ateliergespräche Teil 16: Sich selbst mitbringen, damit es funktioniert

Christiane Gundlach ist Fotografin und Bildredakteurin, u.a. für das Stadtmagazin Kreuzer. Nach ihrer Ausbildung zur Fotodesignerin in Berlin arbeitete die geborene Leipzigerin lange in Frankfurt am Main und Hamburg, bevor sie vor zehn Jahren wieder in die Messestadt zurückkehrte. Sie fotografiert vor allem Menschen in Porträts und inszenierten Bildern, findet aber auch Korrespondenzen zwischen Texten und Fotos spannend.

Text: Sandy Feldbacher Fotos: Enrico Meyer 

KiPPE: Wie war es, als du vor zehn Jahren zurück nach Leipzig gekommen bist?
Christiane Gundlach: Schräg, weil es einerseits die Stadt ist, in der ich aufgewachsen bin, andererseits war ich über 20 Jahre nicht da gewesen, nur zu Familienbesuchen. Das fühlte sich an, wie in eine neue Stadt zu kommen. Da war die Arbeit für den Kreuzer für mich total gut, weil ich dadurch die Stadt und die unterschiedlichsten Leute neu kennenlernen konnte.[...]

Küche für Alle

Schon als ich 2012 nach Leipzig gezogen bin, hatte ich an sieben Tagen der Woche problemlos die Möglichkeit, eine KüfA (Küche für Alle) – damals noch VoKü (Volksküche) – zu besuchen. KüfAs gehören zum Standardrepertoire linker Projekte: Essen gegen Spende und ein Ort zum Austausch bilden das Grundkonzept. Für mich war das ideal, um eine Szene kennenzulernen, der ich mich zugehörig fühlte. Dieser Zugehörigkeitsmoment steht jedoch im Widerspruch zum Anspruch, „eine Küche für Alle“ zu sein. Das zeigt sich nicht zuletzt in den häufig sehr homogenen Gruppen von Besuchenden. Für diesen Artikel konnte ich mit zwei KüfA-Gruppen sprechen, die versuchen, genau diesen Widerspruch zu überwinden und gezielt Menschen anzusprechen, die gesellschaftlichen Ausschluss aufgrund von Armut, Wohnungslosigkeit oder Alter erfahren: die „Küche für Alle“ der Partei DIE LINKE sowie das Ladenraum-Projekt „E 113“ in der Eisenbahnstraße 113.

Text: Marie Miggelbrink & Fotos: Diana Richter

[...] Ins Leben gerufen wurde das Projekt von der „Ortsgruppe West“, die im April 2024 die erste KüfA am Lindenauer Markt ausrichtete. Zwar hätte man die Veranstaltung auch im angrenzenden „Interim“, der Parteizentrale, durchführen können – die Gruppe entschied sich jedoch bewusst für den öffentlichen Raum. Sie wolle präsent sein, an öffentlichen Orten, ohne unsichtbare Schranken. Getragen von Wahlkampferfolgen und vielen neuen Mitgliedern wuchs das Projekt rasant. Heute gibt es sieben KüfA-Gruppen, die 15 KüfAs pro Monat organisieren – jede mit rund 60 Portionen Essen. Insgesamt werden damit fast 1 000 Mahlzeiten pro Monat bereitgestellt. Doch der Bedarf sei enorm: Steigende Mieten, hohe Preise, niedrige Löhne und noch niedrigere Renten führten dazu, dass immer mehr Menschen in Armut leben. [...]

Leipziger Hausbesetzung: Comeback einer Bewegung (?)

2025 kam es im Rahmen der „Autonomen Besetzungstage“ wieder zu einer Reihe von Hausbesetzungen, die bundesweit Wellen geschlagen hat. Vom 10. bis 17. Oktober besetzten voneinander unabhängige Gruppen die Einertstraße 3, die Julius-Krause-Straße 8 und die Lützner Straße 99 in Leipzig. Schnell führte die Aktion zu solidarischen Besetzungen in Bremen und Berlin. Doch was steckt hinter der Aktion? Und wie unterscheidet sie sich von ihren Vorbildern? Historiker Udo Grashoff erklärt, wo die politische Hausbesetzung in Leipzig tatsächlich ihre Wurzeln hat. Und: Die Hausbesetzer*innen „Rosa“ und „Paprika“ erzählen, was sie aus den jüngsten Besetzungen gelernt haben und wie sich die Szene in Zukunft den wachsenden Herausforderungen stellen will

Text: Marie Miggelbrink & Fotos: Diana Richter

15. Oktober 2025: Am späten Nachmittag verschaffen sich vier Menschen Zugang zum leerstehenden Eckhaus in der Einertstraße 3, gleich hinter der Eisenbahnstraße. „Es geht unter anderem darum, sich aus der Ohnmacht zu befreien“,
erzählt „Paprika“, die genau wie „Rosa“ anonym bleiben möchte. „Das gibt halt so ein euphorisches, kämpferisches, ja selbstermächtigendes Gefühl.“ Für die beiden Hausbesetzer * innen ist die Besetzung ein Akt der Selbstbestimmung und Emanzipation und richtet sich als politischer Protest gegen Gentrifizierung und Mietwucher. [...]

Die besten Filme 2025

Wie immer, wenn sich das Jahr dem Ende neigt, reflektiere ich meine vergangenen Kinoerfahrungen. Was ist hängengeblieben? Was hat sich schon wieder komplett verabschiedet aus meinem Kopf? Und welche Filme schafften es wie ein Virus, sich zurück in die Gedanken zu kämpfen, obwohl ich sie vielleicht schon nach dem Gang aus dem Kinosaal abgeschrieben hatte? Aber das ist auch das Tolle am Kinoerlebnis. Es ist überwältigend und entfaltet seine Wirkung erst mit der Zeit. Ein großes Team kreativer Köpfe hat alles darangesetzt, uns Zuschauern ein audiovisuelles Fest zu servieren. Und oft realisieren wir selbst erst viel später, was dieses Erlebnis mit uns gemacht hat.

Text: Heiner Uebbing

Dieses Kinojahr war für mich mitgeprägt von Bombast und Propulsivität. Denn im Cinestar am Petersbogen können wir Leipziger*innen ab jetzt das erste und einzige IMAX-Kino in Mitteldeutschland bestaunen. Die namensgebende Augenmaximierung möchte den Zuschauer vollends in den Film holen, indem nichts mehr im Sichtfeld bleibt außer Leinwand. Das macht viele Kinoerlebnisse noch ein bisschen aufregender, kostet jedoch auch dementsprechend mehr.
Aber in Leipzig gibt es ja zum Glück viele Möglichkeiten, auf cineastische Kost zu treffen. Besonders unsere einzigartige Sommerkinolandschaft und deren verantwortliche Programmkinos sorgen dafür, dass wir oft noch Monate nach einem Kinostart den Film, von dem alle geredet hatten, doch noch auf der Leinwand genießen dürfen. Und das zu richtig guten Preisen. So soll die Liste meiner Lieblinge des Jahres auch eine Einladung sein, diese tolle Szene zu unterstützen.
Denn ich bin mir sicher, dass die meisten dieser Filme irgendwie noch ihren Weg zurück in die Leipziger Kinos finden. [...]

„Dieser Tag heute bedeutet mir viel!“

In der Dezember-Ausgabe haben wir das Team des ASB-Wünschewagens Sachsen vorgestellt, dass schwerkranken Menschen letzte Herzenswünsche erfüllt. Diesmal konnten wir mit Ute Zimmermann im Vorfeld ihrer Wunschfahrt sprechen. Vor Ort waren auch zwei ehrenamtliche Begleiter*innen.

Text: Sandy Feldbacher

Begrüßt werden wir freundlich von Frithjof-Martin Grabner, einem der beiden Ehrenamtlichen, die Ute Zimmermann auf ihrer Wunschfahrt begleiten. Er stehe gerade kurz vor der Prüfung zum Rettungssanitäter – eine Ausbildung, die er extra für sein Ehrenamt beim Wünschewagen mache. Von seiner Kollegin Dr. Kirsten Rämisch, einer Ärztin im Ruhestand, erfahren wir später, dass er eigentlich Musikprofessor ist. Eine Freundin seiner Frau habe einst das Angebot des Wünschewagens in Anspruch genommen. Das und das Engagement der Ehrenamtlichen habe ihn so beeindruckt, dass er selbst einer von ihnen werden wollte. Gesagt – getan, heute kümmert er sich einfühlsam um seinen schwerkranken Fahrgast. [...]