logo2016

Eine Stadt für alle ist kein Selbstläufer

Ob digitale Teilhabe, öffentliche Gebäude oder der Arbeitsmarkt: Inklusion betrifft viele kommunale Politikfelder. Benny Tröllmich erklärt im Interview, wie der Leipziger Beirat für Menschen mit Behinderungen arbeitet und welche strukturellen Veränderungen notwendig sind, um Teilhabe nachhaltig zu sichern.

Text: Heiner Uebbing

KiPPE: Herr Tröllmich, Sie sind Ende 2024 neu bestätigt worden als Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderung in Leipzig. Wie kamen Sie zu dieser Position und wie lange sind Sie schon im Beirat aktiv?

Benny Tröllmich: Seit 2024 haben wir ein neues Auswahlverfahren für den Beirat: Früher wurden Mitglieder durch die Beauftragte für Menschen mit Behinderungen oder Parteifraktionen vorgeschlagen. Jetzt gibt es ein offeneres System, bei dem sich auch einzelne sachkundige Bürgerinnen und Bürger bewerben konnten. Eine Jury aus Verwaltung und Menschen mit Behinderung hat die Auswahl dann nach einem Punktesystem getroffen. Ich persönlich bin bereits seit 2018 dabei, damals noch über die Fraktion Die Grünen entsandt, ab dieser Legislatur über den Verein Leben mit Handicaps e.V.

[...]

Ateliergespräche Teil 17: Irritationen aushalten

Seit Oktober gibt es im Leipziger Westen den „Raum für Graustufen“. Das ist der Laden des Künstlers Dominik Meyer, den er zusammen mit der Bühnenplastikerin Lisa Meyer nutzt. In ihm sind Ölbilder, Zeichnungen und andere Arbeiten aus der 17-jährigen Laufbahn des Künstlers, der ursprünglich aus Köln kommt, versammelt. Es entsteht aber auch Neues, dabei kann man Dominik Meyer zusehen oder befragen. Er freut sich über interessierte Gäste und will auf diese Weise Kunst mehr in den Alltag und zu Menschen bringen, die sonst keine Galerien besuchen.

Text: Sandy Feldbacher

KiPPE: Du kannst uns in deinem Laden durch deine künstlerische Biografie führen, oder?

Dominik Meyer: Das kann man auch selbst machen. Es gibt ältere Ölbilder, später kamen kleinformatige Buntstiftzeichnungen dazu, und seit etwa vier Jahren arbeite ich fast ausschließlich an Kloreiniger-Tinte-Zeichnungen.

Das musst du näher erklären.

Ich weiß gar nicht, ob ich das so genau will. Es ist im Grunde eine Ätztechnik. Der Hintergrund entsteht mit Tinte und abgezogenem Klopapier, was eine gewisse Unregelmäßigkeit erzeugt. Danach wird mit Kloreiniger Farbe weggeätzt und teilweise nachkoloriert. Das ist gerade sehr mein Ding, daraus ist inzwischen eine Serie von über 200 Arbeiten geworden.

[...]

Wie kriege ich eigentlich mein Leben auf die Reihe?

Die Leipziger Band Kapa Tult hat im Februar ihr zweites Album „Immer alles gleichzeitig” veröffentlicht und startet jetzt im März mit einer großen Solo-Tour. Produziert wurde das neue Album, das komplett live eingespielt wurde, von Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic). Mrs. Pepstein hat für die KiPPE mit Robin, Angi, Inga und Raphael über einige Songs vom neuen Album gesprochen.

Interview: Katja Röckel & Fotos: Marco Sensche

Mrs. Pepstein: Was brennt euch denn von dem „immer alles gleichzeitig” am meisten unter den Nägeln? Robin: Ganz allgemein leben wir ja gerade in einer sehr krisenhaften Zeit und da passiert viel gleichzeitig und es kommt schnell zur Überforderung.

Inga: Und bezogen auf den Song „Machen was man halt so macht”, in dem diese Zeile vorkommt, geht es darum, ‚wie kriege ich eigentlich mein Leben auf die Reihe und warum kriegen alle anderen ihr Leben scheinbar besser geregelt‘. Man hat extrem hohe Ansprüche an sich selbst und auch wenn die anderen bestimmt auch nicht alles hinbekommen, sieht man das in dem Moment selbst nicht.

Robin: Aber du bekommst es hin zum Fußballtraining zu gehen, Inga. Wie geil. Ich wünschte, ich hätte so ein cooles Hobby.

[...]

Leipziger Kunst auf der Manga-Comic-Con

Wenn die Leipziger Buchmesse ihre Tore öffnet, herrscht in den Hallen 1 und 3 ein ganz eigener Rhythmus. Hier, wo die Manga-Comic-Con (MCC) ihr Zuhause hat, findet sich jedes Jahr eine breite Palette künstlerischer Strömungen und Ausdrucksformen zusammen. Für die Stadt Leipzig ist dieses Event ein kreativer Ausnahmezustand – Klassentreffen, Networking, Schaulaufen: einfach zusammen all das feiern, was man liebt und Besuchende wie Ausstellende in diesen Hallen verbindet.

Text: Heiner Uebbing & Bild: Sarah Buchholz

Inmitten des bunten Trubels findet man auch die Stände von drei Kreativen mit völlig unterschiedlichen Ansätzen und Ausdrucksformen: Sarah Lukaschik, die über Cosplay zur eigenen Kunstproduktion gefunden hat; Vincent Brosche, der
seine Leidenschaft für Game Design und visuelle Kunst in seinen Werken verbindet; und Sarah Buchholz, die als etablierte Künstlerin unter anderem die romantische Melancholie postapokalyptischer Landschaften einfängt.

[...]

Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933–1945–heute

Die Wanderausstellung, die unter diesem Titel noch bis 30. März 2026 im Neuen Rathaus zu sehen ist, erinnert an Menschen, die im Nationalsozialismus als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ verfolgt worden sind. Doch der titelgebende Begriff der „Verleugneten“ bezieht sich nicht ausschließlich auf die NS-Zeit, sondern impliziert die idiologische Kontinuität der Nachkriegsgesellschaften von BRD und DDR. Nazi-Termini wie „Gewohnheitsverbrecher“ (BRD) oder „Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten“ (DDR) finden ihre Fortschreibung in den Nachkriegsgesetzesbüchern.

Text: Marie Miggelbrink & Fotos (Quelle): Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig

IIn der Riebeckstraße 63 in Leipzig wird dies besonders sichtbar. An dem Ort, den die Nazis als „Arbeitslager“ nutzten, eröffnete die sozialistische Führung 1952 eine geschlossene Venerologische ((Fachbegriff für Geschlechtskrankheiten, Anm. d. Red.) Station. Dies galt weniger der Genesung als der Disziplinierung und Misshandlung von Frauen und Mädchen. In der Riebeckstraße 63 ist heute ein Gedenk- und Lernort. Ein Besuch lohnt sich. 75 Jahre nach Kriegsende
vergehen, bis der Bundestag auch die als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ Verfolgten als Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft anerkennt. Man einigte sich, mit Ausnahme der AfD, auf das Prinzip: „Niemand saß zu Recht
in einem Konzentrationslager” und verabschiedete 2020 die gesetzliche Anerkennung. Für die Betroffenen kam dieser Schritt zu spät. Seit dem Beschluss wurde kein einziger Antrag auf Anerkennung eingereicht.

[...]