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Grundeinkommen: kein Allheilmittel, aber ein Anfang

„Grundeinkommen rettet Leben!“, so titelte die US-amerikanische Zeitung „Denver Post“, die über das Denver Basic Income Project berichtete. Hierbei wurden ein Jahr lang regelmäßige Auszahlungen an wohnungslose Personen entrichtet. Das Besondere? Die Zahlungen erfolgten bedingungslos. Das heißt, niemand musste sich dafür rechtfertigen, wofür er oder sie das Geld ausgeben wollte. Die Studienergebnisse waren erstaunlich: Nach sechs Monaten lebten ein Drittel der teilnehmenden Personen in stabilen Wohnverhältnissen.

Text: Verena Löer & Illustration: Stéphanie Weppelmann 

Das Grundeinkommen wird in Politik und Gesellschaft mitunter heiß diskutiert. Bislang beschränkt sich die Diskussion aber häufig auf diejenigen, für die gesellschaftliche Teilhabe und ein Zugang zum Arbeitsmarkt problemlos möglich sind. Und das obwohl viele sich für ein Grundeinkommen aussprechen, weil es diejenigen stärke, die gesellschaftlich stigmatisiert und ausgeschlossen werden. Gerade deshalb ist es wichtig, die Frage zu diskutieren, wie sich ein Grundeinkommen auf die Lebenssituation von wohnungslosen Personen auswirkt. Denn nur wenn auch diese von der Einführung profitieren, kann ein Grundeinkommen als wirklich gerecht bezeichnet werden. [...]

Von der Arbeits- zur Freizeitgesellschaft?

Unser Bewusstsein darüber, was alles Arbeit ist, den Sinn und Zweck derselben sowie soziale Aspekte, hatUnser Bewusstsein darüber, was alles Arbeit ist, den Sinn und Zweck derselben sowie soziale Aspekte, hatsich in den letzten Jahrzehnten verändert. Ebenso unser Arbeits- und Freizeitverhalten. Zeit für eine Reflexionüber den aktuellen Status quo von Arbeit und Freizeit in unserer Gesellschaft.

Text: Sandy Feldbacher & Illustration: Stéphanie Weppelmann

Was ist Arbeit? Laut Politlexikon von Klaus Schubert und Martina Klein ist Arbeit „eine spezifisch menschliche – sowohl körperliche als auch geistige – Tätigkeit, die v.a. dazu dient, die zur Existenzsicherung notwendigen Mittel zu beschaffen“. Doch über diese enge Definition von Erwerbs- bzw. Lohnarbeit hinaus stelle sie immer auch eine „technisch-kulturell geprägte Form der Auseinandersetzung mit der jeweiligen Umwelt dar. Arbeit ist insofern ein gestaltender, schöpferisch produzierender und sozialer, zwischen Individuen vermittelnder Akt. Arbeit ist von zentraler Bedeutung für die Verteilung individueller Lebenschancen, das Selbstwertgefühl und die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft“. Ganz schön umfassend bedeutsam diese Arbeit, die neben ihrem produktiven Aspekt – dem Herstellen von Gütern und Dienstleistungen –, auch einen sozialen und individuellen hat. In Bezug auf den ersten Aspekt wird auch zwischen Produktions- und Reproduktionsarbeit unterschieden. Zu letzterer zählen Haus-, Familien-, Erziehungs- und Pflege-Arbeit, die unentgeltlich ausschließlich (als Hausmann oder -frau) oder parallel zur Erwerbsarbeit ausgeübt wird. Man spricht heute auch von Care-Arbeit, und sie wird traditionell eher Frauen zugewiesen – laut statistischem Bundesamt leisteten Frauen 2022 44,3 % mehr unbezahlte Arbeit als Männer. In diesem Zusammenhang werden immer mehr Stimmen laut, die das kritisieren, auch Männer in der Verantwortungsehen und mehr gesellschaftliche sowie auch monetäre Anerkennung für Care-Arbeit fordern, deren Wert bei Bezahlung in Deutschland jährlich hunderte Milliarden kosten würde. [...]

„Ich habe mir ausgemalt, dass ich von Kunst leben kann“

Mit der Künstlerin Jelena Radosavljevic eröffnen wir unsere neue Reihe „Ateliergespräche“. Die Künstlerin kam über Stationen in Belgrad und Novi Sad in Serbien sowie Berlin nach Leipzig. Ihre bevorzugte Technik ist die Ölmalerei. Studiert hat sie Russische Sprache und Literatur, Bühnenbild, und vor zwei Jahren absolvierte sie ein Fernstudium für Innenarchitektur. Wir treffen Jelena, die uns mit ihrer aufgeschlossenen Art in ihrem Atelier im Leipziger Westen begrüßt – ein großer, heller, weiß gestrichener Raum mit Holzboden und einer gläsernen Decke. In der einen Ecke steht ein Tisch mit Farbklecksen, Malutensilien, Pinseln, einem Stuhl und Staffelei. An den Wänden hängen ihre Bilder in verschiedenen Größen. Sie sind oft eher dunkel, ausdrucksstark, mit Menschen und Tieren als Motive. Außerdem gibt es eine Sitzecke mit Sofa, Tisch und Stühlen.

Text: Laura Lansche u. Sandy Feldbacher & Fotos: Enrico Meyer

Als sie nach Leipzig zog, wurde die Künstlerin Jelena Radosavljevic erst nicht so richtig warm mit der Stadt. „Ich habe große Sehnsucht nach Berlin gehabt und war an den Wochenenden oft dort.“ Aber mit der Zeit wurde es besser: „Plötzlich habe ich angefangen, Leipzig zu lieben. Heute würde ich nicht mehr nach Berlin zurückziehen.“ Seit 2007 lebt Jelena Radosavljevic in Leipzig. Ihr damaliger Freund hatte sie dazu gebracht. „Ich war sehr verliebt und habe mich überreden lassen“, meinte sie. Vorher lebte sie in Berlin und hatte ein kleines Atelier und keinen großen Eindruck von Leipzig. In der Messestadt bekam sie dann eine Möglichkeit für größere Räumlichkeiten. [...]

„Radio Inklusive“ sammelt Spenden

Eine inklusive Radio-Redaktion sendet seit 2017 auf Radio Blau und macht die Stimmen von Menschen mit Behinderung hörbar. Jetzt ist das Projekt auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Text und Foto: Radio Inklusive

Radio Inklusive“ ist eine Radio-Redaktion von Menschen mit und ohne Behinderung. Jeden Dienstag trifft sie sich in der Hörfunk- und Projektwerkstatt Leipzig e.V. und hält ihre Redaktionssitzungen ab. Dort plant die Redaktion gemeinsam ihre Sendungen, macht Straßenumfragen, führt Interviews, schneidet RadioBeiträge, moderiert Sendungen. Alle acht Wochen wird eine fertige Sendung dann beim freien Sender Radio Blau ausgestrahlt. Die Themen sind vielfältig. Es gab schon Sendungen zum Thema Arbeit, aber auch Mutterschaft, Sexualität, Fußball oder die Buchmesse Leipzig. [...]

Von Adenauer bis Drag Queens

80-60-20 – das sind keine speziellen Modelmaße, die drei Altersangaben stehen für ein generationenübergreifendes Ausstellungsprojekt mit dokumentarischer Fotografie. Derzeit zu sehen im Mädler Art Forum unter dem Titel „MENSCHENBILDER I ZEITGESCHICHTE Der Fotograf Joachim Giesel“. Die Ausstellung zeigt fotografisches Material von Giesel als Bildjournalist, kommerzieller Werbe- sowie freier Autorenfotograf, das in einem Zeitraum vdas in einem Zeitraum von 50 Jahren entstanden ist.

Text & Foto: Björn Wilda

Der Blickfang schon beim Zutritt sind zehn etwas ältere Damen, die sich ungezwungen am Beckenrand präsentieren. Ihre Lockerheit und Fröhlichkeit strahlen geradezu jugendliche Stimmung aus. Das Gruppenbild in Zentralperspektive verleiht der Aufnahme sogar gewisse ikonografische Züge. Schöpfer dieses fotografischen Kunstwerkes ist der Fotograf Joachim Giesel aus Hannover. Der über 80jährige und immer noch äußerst vital Wirkende hat der Partnerstadt Leipzig eine Ausstellung beschert, die sein Œvre zum ersten Mal in seiner ganzen thematischen und ästhetischen Vielfalt präsentiert. In 17 Sektionen werden in der MädlerPassage circa 100 Arbeiten zwischen Geschichte und Gesellschaft, zwischen Werbung und Tanz, zwischen Mode und Sport, zwischen Promis und Sozialdokumentation, zwischen Gender und Behind the Scenes vorgestellt. Giesel: „Wenn ich etwas sehe, was mir wichtig ist, möchte ich es festhalten.“ Besagtes Bild mit Damen von 1977 ist bspw. Teil der Serie „Der Mensch in der Gruppe“.on 50 Jahren entstanden ist. [...]