logo2016

Dem Leben mehr Tage schenken

Dem Leben mehr Tage schenken

Ein Besuch im Kinderhospiz „Bärenherz“ in Leipzig

altDas Gefühl der Bedrückung und Irritation, das ich in mir trug, als ich den weiträumigen, modernen, lichten Flachbau im Kees’schen Park in Markkleeberg zum ersten Mal betrat, verlor sich schnell. Die Stille des Hauses, die Zweckmäßigkeit der Räume, die Freundlichkeit und Kompetenz der Mitarbeiter der Einrichtung, schließlich auch die Schönheit der umliegenden Parklandschaft vermittelten mir sehr schnell: Hier finden in einer besonderen und schweren Lebenssituation kleine Patienten wie auch deren Eltern und Geschwisterkinder Ruhe und Zuwendung.



Es sind schwerstmehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren, die im Kinderhospiz „Bärenherz“ Leipzig zumeist aus dem Einzugsgebiet Mitteldeutschland Aufnahme und professionelle medizinische Hilfe erfahren. Anders als im Erwachsenenbereich handelt es sich dabei nicht allein um die Betreuung der kleinen Patienten in deren letzten Lebenstagen. Vielmehr steht das Haus offen – so fern es so gewünscht wird – für einen zeitweiligen, auch längeren Aufenthalt der schwerkranken Jungen und Mädchen. Denn aufopferungsvoll und belastend ist die Pflege und Betreuung der Kinder mit oftmals eingeschränktem Wahrnehmungsvermögen im häuslichen Bereich. Die Kraft, die die pflegenden Familienmitglieder – zumeist sind es die Mütter – hierfür aufbringen müssen, übersteigt oftmals das eigene Leistungsvermögen. Auch die Geschwisterkinder müssen sich dieser speziellen Lebensbelastung stellen. Nur mit allergrößter Hochachtung ist die Liebe, Zuwendung und Kraft zu würdigen, die die betroffenen Familien bei der Pflege und Betreuung eines schwererkrankten Kindes oder Jugendlichen mit begrenzter Lebenszeit zu leisten haben. Ihnen gebührt gesellschaftliche Fürsorge und Hilfe.



Sie nicht allein zu lassen, ihnen Zeiten des Zuspruchs, der Erholung und Besinnung zu geben und auch die Geschwisterkinder in diese spezielle Betreuung einzubeziehen, ist Anliegen des Kinderhospizes „Bärenherz e.V.“ in Leipzig. Selbstverständlich geht es vorrangig um die kleinen Patienten selbst. Denn auch besonders reife, geistig normal entwickelte Kinder, die im Kinderhospiz Aufnahme gefunden haben, sind professionell und einfühlsam zu betreuen. Sie sind sich oftmals durchaus bewusst, dass ihr Leben bald nicht mehr sein wird. Das verlangt eine spezielle, ehrliche, liebevolle Zuwendung – auch psychologische Schulung. 23 Mitarbeiter des Hospizes (Teilzeitbeschäftigte eingeschlossen) – in der Mehrheit ausgebildete Kinderkrankenschwestern aber auch Psychologen, Musiktherapeuten und Sozialarbeiter sind für die Patienten da. Die ärztliche Betreuung liegt in den Händen von zwei Palliativmedizinern. Ehrenamtliche Helfer ermöglichen zudem, die Betreuung und Fürsorge der
schwerstkranken Kinder und Jugendlichen höchst effektiv zu machen. Denn neben dem stationären gibt es auch den ambulanten Kinderhospizdienst im häuslichen Umfeld des kranken Kindes oder Jugendlichen. [...]