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FAQs

Straßenzeitungen haben eine lange Geschichte. Seit über hundert Jahren bieten sie Hilfe zur Selbsthilfe in Städten, wo Wohnungslosigkeit und andere soziale Notlagen ihr Angebot nötig machen. Aber was steckt alles hinter diesem Magazin und wie erreicht es euch als Leser*innen? In diesem Artikel erklären wir, welche Regeln bei uns gelten, warum unsere Verkäufer*innen aus so unterschiedlichen Verhältnissen kommen und wie wir Missstände ansprechen. Kurz, ehrlich und mit Blick auf die Menschen dahinter. So wissen Sie beim Kauf, wen Sie unterstützen — und warum.

Woran erkenne ich KiPPE-Verkäufer*innen?

Alle KiPPE-Verkäufer*innen sollen gut sichtbar ihren Verkaufsausweis mit Foto und Verkäufer*innennummer tragen. Sollte das nicht der Fall sein, sprechen Sie die Verkäufer*innen gern an und fragen nach dem Ausweis.

Dürfen KiPPE-Verkäufer*innen mit dem Magazin betteln oder es aufdringlich anbieten?

Unsere Verkaufsregeln verbieten das ganz klar. Aber manche halten aus Not die Regeln nicht ein und nutzen das Heft zum Betteln oder drängen es den Menschen in hartnäckiger Form auf. Wir weisen immer wieder auf dieses
unerwünschte Verhalten hin. Oft sind es auch Verkäufer*innen ohne Verkaufsausweis. Trotzdem gehen wir davon aus, dass auch sie in Not sind. Dieses Verhalten darf jedoch nicht die KiPPE in Schwierigkeiten bringen. Wer
sich nicht an unsere Regeln hält, bekommt von uns keine Magazine.

Sind alle Verkäufer*innen obdachlos?

Nein. Viele Verkäufer*innen waren zu Beginn ihrer Verkäufer*innentätigkeit obdach- oder wohnungslos. Aber das bleibt zum Glück nicht so. Auch mit einem festen Wohnsitz ist ihre Notlage jedoch nicht immer bewältigt. Wir schließen niemanden vom Verkauf aus, weil sich ihre Situation verbessert.

Warum müssen Verkäufer*innen die Magazine kaufen?

Alle neuen KiPPE-Verkäufer*innen bekommen zum Einstieg zehn Magazine kostenfrei. Wenn dieser Einstieg erfolgreich war, können sie weitere Ausgaben für die Hälfte des Verkaufspreises bei uns erwerben. Dieses System ist historisch gewachsen und hat seine Wurzeln in New York und London, wo die erste Straßenzeitung, Street News, und die erste Straßenzeitung in Europa, Big Issue, zu Beginn des 20. Jahrhunderts starteten. Bereits damals hatte sich das Kommissionsprinzip schnell als nicht tragbar herausgestellt. Die Verkäufer*innen nahmen wesentlich mehr Magazine mit, als sie verkaufen konnten, und gaben diese dann in schlechtem Zustand zurück. Deshalb müssen die Verkäufer*innen die Magazine kaufen. So lernen sie außerdem, mit ihrem Geld zu haushalten und die Hefte pfleglich zu behandeln.

Es gibt Verkäufer*innen mit Auto. Wie können sie sich das leisten?

Einige wenige Verkäufer*innen haben ein Auto. Manche leben darin, manche teilen es sich mit anderen Familien, manche haben es sich erarbeitet. Denn viele versuchen, hier Fuß zu fassen und einen Job (meist im Niedriglohnbereich) zu finden. Das geht in Deutschland oft nur mit Individualkraftverkehr.

Wie setzt sich die Verkäuferschaft zusammen?

Als die KiPPE vor über 30 Jahren startete, kamen insbesondere Obdachlose zu uns, die schon lange auf der Straße lebten. Das hat sich über die Jahre stark verändert. Hinzu kamen Drogenkranke und junge Erwachsene, später mit der EU-Osterweiterung auch Wanderarbeiter*innen aus Rumänien und Ungarn. Viele landen hier auf der Straße – häufig mit ihrer ganzen Familie. Außerdem kommen Menschen zu uns, die zwar nicht obdachlos, aber extrem von Armut betroffen sind: Bürgergeld-Empfänger*innen, Flaschensammler*innen, Rentner*innen.

Warum nimmt die KiPPE nicht alle bedürftigen Menschen in Leipzig auf und gibt ihnen einen Verkaufsausweis?

Leider können wir längst nicht allen bedürftigen Menschen einen Ausweis geben. Ein Grund dafür sind die begrenzten Verkaufsorte im Leipziger Stadtgebiet, ein anderer unsere begrenzten Mittel. Als soziales Projekt und Hilfsangebot sind wir nicht profitorientiert und unser Träger muss deshalb jegliche Kosten abwägen. Die Neuaufnahme von Verkäufer*innen geschieht auch deshalb immer mit viel Sorgfalt und Geduld, um alle Neuen gebührend einzuführen. Ein weiterer Grund ist, dass viele von Armut betroffene Menschen die KiPPE nicht verkaufen möchten. Das ist ihr gutes Recht und kann viele verschiedene Hintergründe haben. Aber wir haben auch schon viele Bettler*innen und Flaschensammler*innen aufgenommen.
Viele von ihnen kommen aus Osteuropa. Dort ist die Armut noch dramatischer und ausgeprägter als bei uns. Sie kommen im Rahmen der EU-Freizügigkeit hierher und suchen eine Perspektive. Ohne Zweifel sind das alles bedürftige Menschen – dennoch haben wir die Aufnahme dieser Menschen bei der KiPPE limitiert. Schweren Herzens, aber die Aufnahme aller würde den Rahmen unseres Projekts sprengen.

Kehren unsere Verkäufer*innen mit rumänischen oder ungarischen Wurzeln auch immer mal in ihre Heimat zurück?

Manche Verkäufer*innen kehren in regelmäßigen Abständen in ihre Heimat zurück, um sich um Familienmitglieder zu kümmern oder diese einfach zu besuchen. Auch für gewisse in Deutschland teure Maßnahmen wie medizinische Eingriffe müssen sie gelegentlich eine Reise auf sich nehmen.

Manchmal liest man in den Medien über Bettelbanden und kriminelle Strukturen. Stimmt das eigentlich?

Es handelt sich bei diesen Vorwürfen meist um arme Osteuropäer*innen, die durch den Verkauf in einer Gruppe versuchen, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Es gibt mitunter auch mehrere Familienmitglieder, die die KiPPE verkaufen, aber die Polizei in Leipzig hat aktuell erneut bestätigt, dass es für kriminelle Strukturen keine Anhaltspunkte gebe. Zu diesem Thema finden Sie außerdem auf Seite 10 eine ausführlichere Auseinandersetzung mit der Geschichte und den zugrundeliegenden Strukturen dieser Vorwürfe.

Was passiert, wenn Verkäufer*innen die Regeln brechen?

Bei Nichtbeachtung der Regeln und Absprachen kann gegen die Verkäufer*in ein Verkaufsverbot verhängt werden. Dieses ist vorerst zeitlich begrenzt, kann aber bei Wiederholung und in Extremfällen auch unbefristet ausgesprochen werden. Ein Verkaufsverbot bedeutet nicht, dass diese Person nicht mehr von uns unterstützt werden würde. Je nach Situation der betreffenden Person kümmern wir uns darum, dass diese trotzdem an entsprechende Hilfsangebote vermittelt oder ihr ein Schlafplatz gefunden wird.

Warum geht ihr nicht härter gegen aggressives Betteln vor?

Betteln ist nicht verboten, und wir sind auch nicht die Polizei. Diese darf auch nur dann einschreiten, wenn es sich wirklich um aggressives Betteln handelt. Aber wir gehen Hinweisen von Kund*innen oder Verkäufer*innen nach und suchen den Kontakt mit Menschen, die die KiPPE ohne Ausweis und aggressiv anbieten. Aber wenn jemand aus unserem Vertriebsteam auftaucht, sind sie meistens schon weg. Für eine wirkliche Kontrolle ist unser Team zu klein und das Verbreitungsgebiet auch viel zu groß. Vor allem: Die Menschen zu verfolgen, ist keine Lösung. Wir wünschen uns eine Armutsbekämpfung auf europäischer Ebene und sind gegen jedwede Form der Stigmatisierung von Osteuropäer*innen.

Haben die Verkäufer*innen feste Plätze oder sind sie immer unterwegs? Warum sind unsere Festplätze so wichtig?

Alle Verkäufer*innen haben einen sogenannten Stammplatz. Wir sind deshalb auch auf die Kooperation und Kulanz der Leipziger*innen in öffentlichen Räumen und vor Geschäften angewiesen. Wenn ein Supermarkt einen guten Draht zu seiner Verkäufer*in hat, hilft das genauso allen wie wenn diese auf öffentlichen Plätzen wohlwollend und mit Respekt behandelt werden. Wenn unsere Verkäufer*innen jedoch aus verschiedenen Gründen unterwegs sind und die KiPPE verkaufen, ist das für uns auch grundsätzlich nicht problematisch, wenn sie sich dabei an die Verkaufsregeln halten. Der Festplatz ist ein Identifikationsort für KiPPE-Verkäufer*innen. Dieser hilft, dass sie sich nicht gegenseitig das Geschäft wegnehmen und gibt ihnen zugleich Sicherheit und Rückhalt. Dort können sie auch ihre Kund*innen mit der Zeit näher kennenlernen. Durch regelmäßige Interaktionen werden Vorurteile überwunden. Viele Verkäufer*innen haben auf diesem Wege neue Freunde und Bekanntschaften gemacht oder auch alte Weggefährten wiedergefunden.