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Armut – ein Leben in Würde ist möglich

Armut bezeichnet in Deutschland die Situation von Menschen, die trotz eines insgesamt hohen Lebensstandards nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende, Kinder und Heranwachsende, Menschen mit geringer Qualifikation, Langzeitarbeitslose sowie Rentnerinnen und Rentner. Ursachen bzw. Auslöser für Armut sind unter anderem Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne, steigende Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit. Armut wirkt sich nicht nur finanziell aus, sondern beeinflusst auch die Bildungschancen, die Gesundheit und die soziale Teilhabe. Zwar versucht der Staat, Armut durch Sozialleistungen wie Bürgergeld, Kindergeld und Wohngeld zu mindern, aber sie bleibt eine sehr wichtige gesellschaftliche Herausforderung. Die KiPPE interviewte dazu den Ungleichheitsforscher Prof. Christoph Butterwegge.

Interview: Oliver Schöbe & Foto oben: Ralph T. Niemeyer

KiPPE: Lieber Herr Prof. Butterwegge, wie geht es Ihnen?

Christoph Butterwegge: Aufgrund der innen- und weltpolitischen Lage nicht sonderlich gut. Ich bin kürzlich 75 Jahre alt geworden und denke jetzt häufiger an das Lebensende, aber auch zurück an frühere Stationen meiner eigenen Biografie. Ich hatte, um eine Formulierung Helmut Kohls abzuwandeln, die Gnade der frühen Geburt und bin in der Nachkriegszeit aufgewachsen, als es im „Wirtschaftswunder“ der alten Bundesrepublik ökonomisch wieder aufwärts ging. Geprägt wurde ich von der Schüler- und Studentenbewegung, die sich mit dem Jahr 1968 verbindet. Damals herrschte in Westdeutschland, zumal bei seiner Jugend, eine demokratische Aufbruchstimmung – beim Wort „Reform“ dachte man noch nicht an die Demontage des Sozialstaates, sondern an seinen weiteren Ausbau und an mehr Mitbestimmungsrechte. Heute wird das Bürgergeld abgeschafft, der Sozialstaat steht unter Druck und die Demokratie ist in Gefahr. Das macht mir Sorge und schlägt auf meine Stimmung. Auch die Gesundheit und der Fitnesszustand leiden, wenn man wie ich nicht mehr der Jüngste ist.

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