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„Ohne Gaffee genn mir nich gämmbfn“ ...

„Ohne Gaffee genn mir nich gämmbfn“ ...

Die Sachsen und ihr Lieblingsgetränk / Die kleine Ausstellung im Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffe Baum“

altEs ist eine schier unverbrüchliche und leidenschaftliche Freundschaft: die Sachsen und ihr „Schälchen Heeßen“! Was dem Berliner sein Bier, dem Rheinländer sein Wein ist dem Leipziger der Kaffee! Und das mit langer Tradition, wie die Exponate in den Museumsräumen im „Zum Arabischen Coffe Baum“ in der Leipziger kleinen Fleischergasse No. 4 auf vergnügliche und vielseitige Weise belegen.



In dem 1556 erstmalig urkundlich erwähnten kultur- und kunstgeschichtlichen Baudenkmal innerhalb des Ringes wird seit 1711 nachweislich Kaffee ausgeschenkt.
Es gehört damit neben dem „Café Procope“ im 6. Arrondissement in Paris zu den ältesten Kaffeeschänken Europas. Das farbig bemalte und reichlich vergoldete Hauszeichen aus dem Jahre 1720 gab dem „am Barfüßer Gäßgen gelegene Haus“ mit Kaffee- und Bierausschank seinen Namen: Die barocke Steinmetzarbeit zeigt einen festlich aufgeputzten Osmanen, der einem kleinen Amor eine Schale Kaffee reicht – und symbolisiert damit ein bedeutendes Kulturgeschenk des Orients an das christliche Europa! Wenn auch – vielleicht? – nur Legende, erhält sich folgende delikate Geschichte: Spender der Portalplastik sei kein Geringerer gewesen als Kurfürst August der Starke – als Dank für schöne Liebesstunden, die er mit Wirtin Lehmann einst verbrachte... Fest jedoch steht: Das Motiv der Portalplastik ist einmalig – weltweit ohne Vorbild und Vergleich!
Elke Schaar, sachkundige Führerin beim Rundgang durch den Kaffeebaum (wie es im Leipziger Alltagssprachgebrauch verkürzend heißt) berichtet zur Baugeschichte: „Das zeitgleich mit dem Alten Rathaus errichtete repräsentative Haus steht bis heute auf dem ursprünglichen Platz. Durch den völligen Um- und Ausbau von Vorder- und Seitengebäude, die 1703 „auf die alten Gründe gesetzet“, 1718/19 um ein weiteres Stockwerk erhöht und mit einer repräsentativen Fassade versehen wurden, entstand das barocke Bürgerhaus im Wesentlichen so, wie es nach der Restaurierung und Sanierung 1994 bis 1998 wieder erlebbar ist. Vorder- und Hinterhaus sind vier Stockwerke hoch, im Erdgeschoss und ersten Stock gibt es urige Restaurants mit bestem kulinarischen Ruf. In den darüber liegenden ehemaligen Wohngebäuden finden sich Cafés im historischen Ambiente sowie die Ausstellungsräume des Stadtgeschichtlichen Museums. Etwa 10 Zimmer insgesamt befinden sich auf jeder Etage. Sie sind klein und nur über weitere Stiegen erreichbar.“ In insgesamt 15 Räumen präsentiert das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig seit 1999 in einer liebevoll zusammengetragenen Präsentation Exponate aus 300 Jahren sächsischer Kaffeekulturgeschichte. Das sind neben zeitgeschichtlichen Dokumenten, Stichen und anderen Kunstwerken Kaffeemühlen, Meissener Kaffeeporzellan, Kaffeetassen, Röstgeräte oder Kaffeezubereitungsgefäße. Zu einer kostenfreien Führung wird jeweils mittwochs, 11 Uhr eingeladen. Die Museumsräume stehen an den übrigen Tagen offen und können auch individuell besichtigt werden. [...]