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Sommerfrische 1785 im Dörfchen Gohlis

Sommerfrische 1785 im Dörfchen Gohlis

Das Schillerhaus in der Leipziger Menckestraße

altWeiß Gott: Das war keine gute Zeit für den mit seinem Jugendwerk „Die Räuber“ landauf und landab bereits bekannten und gefeierten Friedrich Schiller (1759 bis 1805). Nicht nur, dass sein Vertrag als Theaterdichter in Mannheim 1784 gekündigt wurde und sein Mannheimer Verleger ihn um die Tantiemen betrug – er erkrankte zudem schwer und war so gut wie mittellos. So befand er sich durchaus in einer Lebenskrise, als ihn – gerade 25jährig – zu eben jener Zeit ein Päckchen aus Leipzig erreichte. Absender war der Freundeskreis um Christian Gottfried Körner aus Leipzig (heute würde man sagen: der messestädtische Schiller-Fanclub), es enthielt Briefe und Geschenke – vor allem aber eine sehr herzliche Einladung Körners an den Dichter, als sein von ihm außerordentlich verehrter Gast nach Leipzig zu kommen. Natürlich nahm Schiller dieses freundliche Angebot an. In einer sehr beschwerlichen neuntägigen Kutschfahrt erreichte er zur Ostermesse 1785 die Stadt. Hier logierte er zunächst im „Gasthaus zum Blauen Engel“ in der Petersstraße, danach im „Gasthaus Zum kleinen Joachimsthal“ und flüchtete dann, dem Angebot Körners folgend, in die Sommerfrische nach Gohlis.



Leipzig – so muss man wissen – zählte zu jener Zeit ca. 30 000 Einwohner (die immerhin die Auswahl hatten unter sieben Theatern!!). Die Stadt, eng begrenzt um den Ring platziert, war stickig (die Latrinen!), hatte verwinkelte Gassen und war in den Sommermonaten heiß und sehr belastend. Wer immer es sich leisten konnte, suchte sich ein Refugium in den umliegenden Dörfern. „Wem es wohl ist“ (= wer es sich leisten konnte), zitiert man noch heute wissend, „zieht nach Gohlis“. Das war nur eine Kutschfahrt von etwa dreißigminütiger Dauer oder gar eine Bootstour entlang dem damaligen Verlauf der Pleiße. So gründete zum Beispiel auch Kaufmann Richter, der Bürgermode „Sommerfrische“ folgend, 1756 das „Gohliser Schlößchen“. Aber auch die gewitzten Bauern der Umgebung waren nicht tatenlos: Sie bauten Urlaubsquartiere für die Gäste aus der Stadt. Das tat auch Bauer Schneider, Eigentümer des vorletzten Gutes, einem 3-Seiten-Gehöft. Das ursprüngliche Wohnstallhaus wurde zum Gäste-Wohnhaus umgebaut und erhielt einen Giebelaufsatz. Hier, in der nach ihm heute benannten Stube mit separatem winzigen Schlafraum, verbrachte Schiller glückliche Sommermonate von Mai bis September 1785. [...]