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Verzweifelt-versoffen-wohnungslos?

Verzweifelt-versoffen-wohnungslos?

altVerzweifelt – versoffen – wohnungslos? – ist das die Zukunft der Menschen, die an den Rand der Gesellschaft geraten? Und ist man erst „versoffen“ und dann wohnungslos oder verliert man erst die Wohnung und fängt dann an zu trinken? Diesen schwierigen Fragen stellte sich das Friedensgebet in der Nikolaikirche am 29. März 2010. Es sind Fragen, auf die es keine eindeutige Antwort gibt. Alles ist möglich. Und alles kann auch ganz anders sein.



Die ungesagten Vorwürfe, die hinter den Formulierungen stehen, geben ein Gefälle vor, das einem Menschen, der in Krisen dieser Art gerät, zusätzlich ins Rutschen kommen lässt.



Die AG „Recht auf Wohnen“, eine Arbeitsgruppe aus Engagierten der Diakonie, des „Blauen Kreuzes“, des „TeeKellers Quelle“ sowie der Stadtratsfraktion B90/Die Grünen, die das Friedensgebet vorbereitete, machte deutlich, wie sehr wir alle in Vorurteile, Ängste und Unwissenheit verflochten sind. Wer würde nicht in der Straßenbahn auf Abstand gehen, wenn einer unangenehm riecht? Wer reagiert nicht mit Angst, wenn ein Betrunkener bedrohlich wird? Selbst die schlichte Feststellung „Du machst Arbeit“ kann zur Abwertung führen. Nötiger und sinnvoller Selbstschutz mischt sich mit Vorurteilen und Abwertungen.



Wie schnell es den Einzelnen treffen kann – selbst wenn er keines der „eigentlichen“ Kriterien erfüllt – wurde in der Andacht deutlich. Manchmal reichen Ungereimtheiten im Bauablauf eines Hauses, dass eine Familie auf der Straße steht. Und was dann? Wohin geht die Post? Wo verbringt man die nächste Nacht? Wer kann mir jetzt weiterhelfen? Die Sorgen wachsen. Wie schnell wächst daraus Verzweiflung. Für Menschen, die nicht in tragfähigen sozialen Bindungen stehen, können diese Sorgen das Aus bedeuten. Die Grenze der Belastung ist erreicht. Der Absturz beginnt durch banale Kleinigkeiten. [...]