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Spuren in die Vergangenheit – Wege in die Zukunft

Spuren in die Vergangenheit – Wege in die Zukunft

Das Graphische Viertel gestern und heute

Buchhändlerhaus um 1940
Das Graphische Viertel östlich vor den Toren der Leipziger Innenstadt ist ein Stadtteil mit einer großen Geschichte. Vielen Leipzigern und Nicht-Leipzigern ist dies jedoch noch unbekannt. Touristen tummeln sich lieber in der Innenstadt, Studierende in der Südvorstadt, Künstler in Plagwitz und Familien in Schleußig. Ein Besuch im Graphischen Viertel ist dagegen bisher ein Geheimtipp und kommt einer Reise in die Vergangenheit gleich. Denn würde man die Zeit zurückdrehen in die Vorkriegsgeschichte der Stadt, würde man erstaunt feststellen, dass in den Straßen zwischen Bayerischem Bahnhof, Innenstadt, Gerichtsweg und dem Gelände des Hauptbahnhofs einst das geschäftige Leben eines der größten Verlagsstandorte Deutschlands pulsierte. Heute weisen nur noch viele Spuren auf diese Vergangenheit hin, doch wurden auch Wege in die Zukunft des Viertels der Bücher eingeschlagen.



Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Graphische Viertel zur Hochburg des Verlagswesens. Seine große Bedeutung erlangte es vor allem durch die Firmensitze namhafter Verlage. Vor dem II. Weltkrieg zählten zu ihnen beispielsweise Brockhaus, Reclam, das Bibliographische Institut, Baedeker, Gustav Kiepenheuer, der Insel Verlag, Alfred Kröner, Seemann, Rowohlt und die bedeutenden Musikverlage Breitkopf & Härtel, Friedrich Hofmeister sowie die Edition Peters. Daneben gingen noch viele hunderte mittlere und kleinere Firmen und Geschäfte ihrer Arbeit nach: Verlage, Buch- und Musikalienhandlungen, Antiquariate, Druckereien, Buchbindereien, Papierhandlungen und viele mehr – im Jahr 1900 waren insgesamt um die 2000 Firmen des Buchgewerbes im Graphischen Viertel angesiedelt! [...]