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„Das höchste Ziel ist nicht immer die eigene Wohnung“

„Das höchste Ziel ist nicht immer die eigene Wohnung“

Das Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen in Leipzig

© Daniel Raßbach/rasani.design
Ein eisiger Januarabend in der Leipziger Südvorstadt – bekannt als Kneipenmeile und Szenestadtteil, den mittlerweile auch Besserverdienende für sich entdeckt haben. Wer würde hier ein Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen erwarten? Wohl kaum jemand. Die KiPPE hat der Einrichtung einen Besuch abgestattet.



Um hinein zu gelangen, muss man ein videoüberwachtes Eisentor passieren. Eine freundliche Frauenstimme fragt mich nach meinem Namen und dem Grund meines Kommens. Dann surrt der Türöffner und ein schmaler Weg – links ein Zaun, rechts eine Mauer, die mit Blumenmotiven verschönert ist – führt mich in den Garten vor das Haus. An der Eingangstür begrüßen mich zwei nette Mitarbeiterinnen. Meine Straßenschuhe müsse ich nicht ausziehen, nur kräftig abtreten bitte. Im Büro von Blanka Schuchardt, der Leiterin des Übernachtungshauses, ist es gemütlich und warm. Ein Sofa steht in der Ecke. Nur die Bildschirme mit der Übertragung der Videokameras vom Eingang, Flur und Treppenhaus weisen auf die Funktion des Übernachtungshauses und die damit verbundenen notwendigen Sicherheitsvorkehrungen hin.



Das Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen war ursprünglich ein städtisches Projekt. 1994 hat es der Advent-Wohlfahrtswerk e.V. in freier Trägerschaft übernommen. Seitdem ist auch Blanka Schuchardt dabei. Die heutige Leiterin des Projekts hat ursprünglich Theologie studiert. Als Dozentin für Sozialarbeiter ist sie zum ersten Mal mit dem Thema Obdachlosigkeit in Berührung gekommen, später auch als sie gemeinsam mit anderen Mitgliedern ihrer Kirchgemeinde ehrenamtlich eine Kleiderkammer aufgebaut hat. [...]