Radio mal anders - selbst gemacht
Die Alternative ist blau. Keine Angst, verehrte Leser: Dieser Satz entstammt nicht etwa dem Programm einer neuen Partei im Land und ist auch kein Wahlspruch eines ambitionierten Spirituosen-Herstellers. Seit mehr als einem Jahrzehnt steht die Farbe des Himmels und des Wassers in dieser Stadt allerdings für die vielseitige und unkonventionelle Programmgestaltung des Leipziger BürgerInnenradios Radio Blau. Ohne Intendanz und allzu feste Regeln bietet der Sender allen Interessierten die Möglichkeit, im Einerlei der etablierten Radiosenderlandschaft für Abwechslung zu sorgen, selbst den Ton der Musik zu bestimmen, Radioberichte zu gestalten und durchs Programm zu führen. Wie gut das klingt, hört man werktags immer von 18 bis 23 Uhr und am Wochenende von 12 bis 24 Uhr auf verschiedenen terrestrischen Frequenzen in der Stadt und im Internet.
Die Idee zu Radio Blau blickt dabei auf eine lange und wechselhafte Geschichte der BürgerInnenradios in Deutschland zurück. Diese, auch freie Radios genannten Stationen, kamen Ende der 1970er Jahre im Westen des Landes als so genannte Piratensender auf. Jene nutzten damals illegal und ohne Sendelizenz die Möglichkeit von Hörfunk-Übertragungen für private Programme oder politische Ziele, wie z. B. als Sprachrohr der Anti-Atomkraft-Bewegung. [...]
