Glasnost auch in der Psychiatrie

Glasnost auch in der Psychiatrie

Psychiatrie in Leipzig zwischen 1989 und 1993

Foto: Archiv Sächsisches PsychiatriemuseumFoto: Archiv Sächsisches Psychiatriemuseum
Leipzig hat in der deutschen Psychiatriegeschichte einen klang- vollen Namen. 1811 wurde an der hiesigen Universität der erste Lehrstuhl für Psychiatrie eingerichtet und mit Johann Christian August Heinroth besetzt. Bedeutende Psychiater, u.a. Emil Krae- pelin, Paul Flechsig und Paul Julius Möbius haben in der Stadt gewirkt. Und auch prominente Psychiatriepatienten wie Robert Schumann, Friedrich Nietzsche und Lene Voigt verbrachten wich- tige Etappen ihres Lebens in Leipzig. Die Tötung eines behin- derten Kindes an der Universitätskinderklinik gilt als Beginn des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms, in dessen Rah- men auch über tausend psychisch kranke und behinderte Leipzi- ger Bürger ermordet wurden.



In der DDR entwickelte sich Leipzig zu einem Zentrum der Sozial- psychiatrie, das auch über die Grenzen hinaus anerkannt war. Doch neben der modernen gemeindenahen psychiatrischen Ver- sorgung herrschte auf vielen Stationen im Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie Leipzig-Dösen eine düstere Verwahrpsychiatrie. Als mit der „Wende“ bzw. „Friedlichen Revolution“ alle gesellschaftlichen Bereiche und Institutionen auf den Prüfstand kamen, engagierten sich auch Psychiatriebetroffene  und Mitarbeiter in der Bürgerbe- wegung und traten für eine Demokratisierung und Reform der Psychiatrie ein. […]